Angst vor dem Scheitern oder Freude an der Aufgabe

29.07.2016 (Kommentare: 0)

Einmal angenommen, Sie gehören zu den besten Basketballspielern der Welt. Es ist Samstag und morgen, am Sonntag, ist es so weit. Sie spielen das große Finale gegen einen ebenbürtigen Gegner. Sie sammeln ihre mentale Kraft für den großen Augenblick. Spüren Sie den Kitzel? Ist es Eustress, die Vorfreude vor dem Match, oder ist es Distress, mit der Angst vor dem Versagen?

Nehmen wir an, in dem Finale ginge es um Olympisches Gold. Ich weiß nicht, wie es Ihnen ginge, aber ich wäre bis in die Fingerspitzen elektrisiert.

Aber nehmen wir an, wir schrieben nicht das Jahr 2016, sondern wären in der Zeit der Azteken, die das Spiel damals erfanden. Nur spielte man hier auf Ringe statt auf Körbe. Und die Verlierer des Spiels erhielten keine Silbermedaille, sondern wurden getötet. Nehmen wir also an, Sie verlören mehr als nur ein Spiel, sondern auch ihren Kopf. Was spüren Sie jetzt?

Ob wir eine Herausforderung  als bedrohlich oder reizvoll empfinden, hat kaum mit ihrem Schwierigkeitsgrad zu tun, sondern hängt von den befürchteten Konsequenzen ab.

Der große Tennisphilosoph, Boris Becker, sagte zu seiner Hochzeit schon einmal, der Erfolg im Spiel hänge zu 90% vom Kopf ab. Vom technischen Vermögen her kann unter den ersten 500 oder vielleicht  1.000 Profis jeder jeden schlagen. Aber unter Druck bringen nur die wenigsten ihre besten und die Mehrzahl sogar ihre schlechtesten Schläge. Das macht den Unterschied.

Nun sind wir weder Basketball- noch Tennisprofis. Doch jeder, der erleben möchte, wie groß der Unterschied zwischen Komfort- und Angstzone ist, der lege ein dickes Seil durch seinen Garten und balanciere darüber. Das schaffen Sie ohne zu zaudern oder zu zögern. Nun spannen Sie das Seil zwischen Ihrem Dachfirst und dem des Nachbarhauses. Schauen Sie mal, ob Sie das genauso leicht schaffen …

Wenn wir uns oder anderen also eine herausfordernde Aufgabe stellen, die das Risiko des Scheiterns trägt, dann hängt das Gelingen viel mehr davon ab, ob diese mit Lust und Vertrauen ausgeführt wird – oder in einer Atmosphäre der Angst. Angst führt zu einem Stress, der in Unternehmen sowohl den Mitarbeitern als auch dem Erfolg schadet. Es kann deshalb nicht hoch genug geschätzt werden, wie wichtig es ist, Menschen unnötige Ängste zu nehmen und ihre Energie auf die Ziele zu lenken, für die sie brennen.

Ob eine Aufgabe Stress oder positive Spannung verursacht liegt nicht an ihrer Schwierigkeit, sondern entscheidet sich daran, ob wir Angst vor dem Scheitern oder Freude an ihrer Bewältigung spüren.

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