Brexit und Personalmanagement

30.06.2016 (Kommentare: 0)

Der Sprung vom Brexit zum Personalmanagement mag sich nicht unmittelbar aufdrängen. Doch wird es unweigerlich erhebliche Umschichtungen von Investitionen und außereuropäischen Konzernniederlassungen von England (dann bald ohne Schottland und Nordirland?) nach Kontinentaleuropa geben. Arbeitsplätze in Großbritannien werden wohl ab- und auch hierzulande aufgebaut werden.

Offensichtlich betroffen wird die Finanzindustrie sein, hinzu kommen Handel und vor allem asiatische Industrieunternehmen, für die das Vereinigte Königreich bis dato der ideale Brückenkopf in die EU war. Diese Tage sind nun gezählt. Profitieren werden vor allem Irland, die Skandinavier, die BENELUX-Staaten, Frankreich und Deutschland, da nur diese über eine mindestens vergleichbare Infrastruktur und Bildungsniveau verfügen. Allerdings – in keinem der kontinentalen Länder wird von Hause aus Englisch gesprochen, und keines ist per se so global orientiert wie Cool Britannia – es zumindest dereinst einmal war.

Erhebliche Chancen hat Deutschland vor allem in Bezug auf die Banken, hier Frankfurt, japanische Unternehmen betreffend alles rund um Düsseldorf und in Bezug auf die Automobilindustrie die Regionen Stuttgart und München. Dies betrifft nicht nur die Unternehmensansiedlungen selbst, sondern auch die Zulieferindustrie, somit den deutschen Mittelstand.

Automatisch wird dies aber nicht ablaufen, denn es bedarf einer aktiven Marktbearbeitung und auch Personalpolitik. Denn die notwendigen Ressourcen, nicht zuletzt die Fach- und Führungskräfte müssen auch parat stehen.

Diese müssen dann über ihre Fach- und Managementkompetenzen hinaus weit mehr als zuvor über Soft Skills, allen voran interkulturelle Kompetenzen verfügen. Wenn unsere Wirtschaftsregionen, Unternehmen und Arbeitnehmer ihre Karte richtig spielen, können wir also erheblich profitieren – und die volkswirtschaftlichen Schäden, die der Brexit bewirken wird, einigermaßen kompensieren. Des einen Freud, des anderen Leid - so bedauerlich die Entwicklung auch ist, Markthandeln sollte rationalen und nicht gefühligen Maximen folgen. 

However, dieser Standortwettbewerb neuer Art ist bereits seit dem 23. Juni eröffnet, wer – ganz unprätentiös – vorn dabei sein will, sollte sich vorbereiten und kann schon loslegen. Auch für den Brexit gilt das Diktum Joseph Schumpeters: es wirkt die kreative Kraft der Zerstörung.

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