Burnout eine "massentaugliche" Erkrankung?

28.09.2011 Leif-Erik Wollenweber (Kommentare: 0)

Nachdem Schalkes Trainer Ralf Rangnick in der vergangenen Woche seinen Rücktritt wegen akuten Burnouts bekanntgab, erreichte das Thema auch die letzten Winkel der Republik. War Burnout zuvor schon in den großen deutschen Magazinen Spiegel, Stern und Fokus präsent, droht nun die nächste große "deutsche Krankheit". Wenig verwunderlich, dass Die Welt das Wort von der "Gesellschaftskrankheit" nutzte. Weiter schrieb das Hamburger Blatt, die Erkrankung werde "bei den Schwachen eher Depression genannt wird und bei den Starken eher Burnout."Ob der Hype den Betroffenen gut tut ist fraglich. Einerseits wird die Diagnose - wenn es denn eine nach ICD-10 wäre - gesellschaftsfähig, sagte man früher: ich habe "Rücken", oder "Cholesterin", sagt man nun "Burn-out" - damit gesellschaftsfähig. Andererseits werden Patienten nun erst recht der Gefahr des Verdachts ausgesetzt, einen Modepsychose entwickelt zu haben. Das kann bei nun immer noch depressiv Erkrankten fatale Folgen haben. Etwas mehr Sensibilität und etwas weniger Öffentlichkeit täte also gut.Eine andere Gefahr erkannte ich mich, als ich mich über den "Fall Rangnick" mit einem sehr klugen Kollegen unterhielt. Der äußerte sinngemäß, dass die Diagnose Burnout eher für die Besserverdiener sei. Für die, die eigentlich nicht dem materiellen Druck ausgesetzt wären, sich krank zu arbeiten. Beim einfachen Arbeiter, der sich körperlich "kaputt" macht, werde nicht nach Ausgebranntsein gefragt, zumal sich dieser ein "Aufgeben" ohnehin einfach nicht leisten kann.Schwierig finde ich es dabei grundsätzlich, ein Übel gegen ein anderes Übel aufzurechnen. Zweitens sollte unsere Gesellschaft in der Tat auf die Körper- wie auf die Kopfarbeit gleich viel Acht geben. Drittens, und das ist das Wichtigste im Fall Burnout und Depression: Das Gehirn, unser Nervensystem ist ebenso Teil unseres Körpers wie, sagen wir, unser Knie. Beide versagen, wenn sie überlastet werden. Beide brauchen Ruhe, um zu genesen. Beide leisten wertvolle Arbeit vor und nach ihrer Erkrankung.

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